Aussprache-Hilfe
Vedische Laute und Sanskrit-Silben

„Die Veden gehen von bestimmten Grundlauten und deren Variationen aus. Die geringste Modifikation eines Lautes verändert den Sinn des Gesagten. Keine geschriebene Sprache ist in der Lage, alle Vedischen Laute wiederzugeben. Viele der Wörter können nicht geschrieben werden. Die Veden sind Gottes Atem und können nur von Mund zu Mund übermittelt werden.“

Gespräche mit Sathya Sai Baba,
Kapitel 8 – J. Hislop


In diesem Artikel finden Sie:

zwei Tabellen mit Beispielen als Aussprache-Hilfe;

eine Darstellung der Positionen der Zunge;

eine Darstellung der Vokale;

eine Darstellung der Konsonanten;

eine Darstellung der Weiteren Laute;

eine grafische Zusammenfassung;

eine Audio Datei für jedes Beispiel.


Tabellen

Die folgenden Tabellen zeigen einige Aussprache-Elemente für jeden Buchstaben, der in den Lerndateien für Vedische Gebete verwendet wird.



Positionen der Zunge

– Nachfolgend sind die 4 wichtigsten Positionen der Zunge aufgeführt, wobei Kontakt zwischen Zunge und Sprachorgan (Hals, Gaumen, Zähne) hergestellt wird.


Gutturale Laute

Palatale Laute

Zerebrale Laute

Dentale Laute

Dieser Kontakt kann vollständig oder schwach und kurz sein. Die Zunge kann sich auch mit grossem oder kleinem Abstand dem entsprechenden Bereich nähern, um Luft hindurch zu lassen.


– Labiale Laute werden gebildet mit geschlossenen oder leicht geöffneten oder zu einem kleinen Ring geformten Lippen usw.


Labiale Laute

– Nasale Laute, welche auch zu einer der obigen Gruppen gehören, bedingen einen Luftstrom in der Nase.



16 Vokale


Dauer
(mātrā)
kurz
(1)
lang
(2)
verl­ängert
(3)
Diph­thong
(2)
gutturale a ā ā3
palatale i ī ī3 ē ai
zerebrale
dentale
labiale u ū ū3 ō au

Gutturale (ohne Kontakt): a ā ā3
z.B.: bhagavān, rudrāya

Bitte beachten Sie den Unterschied zwischen ‘a’ (wie in ‘Affe’, ohne jegliche Anstrengung irgendeines Teils des Mundes) und ‘ā’ (wie in ‘Abend’, mit weit offenem Mund ausgesprochen).


Palatale (ohne Kontakt): i ī ī3 ē ai
z.B.: kavim, vājinīvatī, dē, utainam

Laut ‘a’ + Laut ‘i’ gibt Laut ‘ē’. Es ist ein halb gutturaler, halb palataler Laut.
‘ē’ = ‘a’ + ‘i’.

Der Laut ‘ai’ wird wie ein kurzes ‘a’, gefolgt von einem langen ‘ī’, ausgesprochen. Es ist ein gutturaler, dann palataler Laut.


Zerebrale (ohne Kontakt): ṛ ṝ
z.B.: pthivī, amta

Die Zunge berührt nicht die Spitze des Gaumens.


Dentale (ohne Kontakt): ḷ
z.B.: kptam

Die Zunge berührt nicht die Zähne.


Labiale (ohne Kontakt): u ū ū3 ō au
z.B.: guru, sūktam, namō, asau

Der Laut ‘a’ + der Laut ‘u’ ergeben den Laut ‘ō’. Es ist ein halb gutturaler, halb labialer Laut.
‘ō’ = ‘a’ + ‘u’.

Der Laut ‘au’ wird gesprochen wie ein kurzes ‘a’ mit nachfolgendem langen ‘ū’. Es ist ein gutturaler und dann ein labialer Laut.



25 Konsonanten, angeordnet in 5 Säulen von je 5 ähnlich lautenden Konsonanten

Um sie auszusprechen, ist der in den Aufzeichnungen verwendete nachfolgende Vokal ‘a’.


guttu­rale pala­tale zere­brale den­tale la­biale
nicht geh. k ch t p
ge­haucht kh chh ṭh th ph
nicht geh. g j d b
ge­haucht gh jh ḍh dh bh
nasale ñ n m

Gutturale: k kh g gh ṅ
z.B.: kavīnām, mukhā, giri, ghōṣha, śhakara


Palatale: ch chh j jh ñ
z.B.: vachasā, chhanda, jam, jhjhanam, pañcha


Zerebrale: ṭ ṭh ḍ ḍh ṇ
z.B.: i, kāṇṭhāya, mṛayati, ḍhuṣhē, gaapati


Dentale: t th d dh n
z.B.: tīrthyāya, ratha, dēvī, dhanvanē, nātha


Labiale: p ph b bh m
z.B.: paśhupati, phalam, bindu, bhava, maṅgalam



4 Halbkonsonanten, auch Halbvokale genannt


palatale zerebrale dentale labiale
y r l v

z.B.: sarasvatyai, namō vrātapatayē

v’ wird meistens wie ‘w’ ausgesprochen. Wenn diesem ‘v’ ein anderer Konsonant folgt, dann ist das ‘v’ härter, mit Kontakt zwischen den oberen Zähnen und der Unterlippe.



3 Zischlaute & 1 gehauchter Konsonant


Zischlaute gehauchter
palatale zerebrale dentale gutturale
śh ṣh s h

z.B.: śhiva, puruṣha, sītā, saha, hrasva, hṛdaya

Die Zunge ist sehr nahe am Berührungspunkt (Gaumen, Zähne, Hals), um das „Zischen“ zu erzeugen.



Weitere Laute

1 jihvāmūlīya, bezeichnet [hk] (gutturale Laute)
z.B.: nama[hk] kakubhāya, du[hk]kha

Die Rückseite der Zunge nähert sich schnell dem Hals, bis sie ihn berührt. Der Laut endet in einem ‘k’, wobei ein ‘hhhk’ Laut entsteht.


1 upadhmānīya, bezeichnet [fp] (dentale-labiale Laute)
z.B.: [fp] puruṣham, na[fp] prachōdayāt

Die oberen Zähne und Oberlippe nähern sich der Unterlippe bis zur Berührung. Der Laut endet in einem ‘p’, wobei ein ‘fffp’ Laut entsteht.


1 anusvāra, bezeichnet (nasale Laute)
z.B.: savatsarō vā, vaiśhnavī lōka

Vor ‘v’ wird es ein nasales ‘v’ mit leicht geöffneten Lippen. Vor ‘l’ wird es ein nasales ‘l’. In beiden Fällen kann ‘ṁ’ auch wie ein ‘m’ ausgesprochen werden.


1 visarjanīya, bezeichnet (gutturale Laute)
z.B.: namaa, dhanuu, śhāntii, kṣhamācharāa

Der Laut ‘ḥ’ wird von einem Vokal gefolgt, der wie ein Echo (halblaut) des dem ‘ḥ’ vorangehenden Vokals gesprochen wird.


1 weiterer zerebraler Konsonant:
z.B.: iaspadē


3 gm-kāras bezeichnet gm, ge et gge
z.B.: sarvagm, paśhūgestāgeśhchakrē, priyaggeśhraddhē

Diese kommen nur im Vedischen Zweig des taittirīya vor. Das ‘gm’ wird mit geschlossenen Lippen gesprochen. Das ‘e’ ist sehr kurz.


1 svarabhakti
z.B.: sammareśhinaḥa, sahasraśhīreṣhā, barehiṣhi

Wenn dem ‘r’ Laut ‘śh + Vokal’, ‘ṣh + Vokal’, ‘s + Vokal’ oder ‘h + Vokal’ folgen, wird er wie der Vokal ‘’ oder ‘re’ gesprochen mit ganz leichtem Zungen-Gaumen-Kontakt. Dieser Laut kommt auch in anderen śhākhās (Vedischen Zweigen) vor, aber ist am besten in den taittirīya Gesängen bewahrt.


Der Laut ‘jñ’
z.B.: āna, yaēna

Der Laut ‘jñ’ wird ausgesprochen, indem die Zunge für ein ‘j’ positioniert wird und sofort der Laut ‘ñ’ ausgesprochen wird. Vor dem Aussprechen des ‘ñ’ befindet sich die Zunge in palataler Position mit grossflächigem Kontakt mit dem Gaumen.



Grafische Zusammenfassung


Mahāṛṣhi Pāṇinī erklärt in seiner pāṇinīya śhīkṣhā (Abhandlung über Grammatik), wie vorsichtig und achtsam die Vedischen Laute zu singen sind: „So wie eine Tigermutter ihre Kinder trägt, indem ihre Zähne zubeissen, ohne zu verletzen, und dennoch ohne Angst, dass sie hinunterfallen. Auf dieselbe Weise sollen die Laute gesprochen werden.“

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